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28.12.2016

Cholesterinmangel bei Sportlern - Die zweite Seite der Medaille.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Wort Cholesterin nahezu vollständig mit der Erhöhung des Cholesterinspiegels im Blut assoziiert. Gerade bei Sportlern ist jedoch häufig das Gegenteil der Fall.

Ein Cholesterinmangel kann auf längere Sicht gefährlich sein und dramatische Folgen haben.

Was ist eigentlich Cholesterin?
Der Begriff stammt von „chole“ (griechisch Galle). Cholesterin gehört biochemisch zu den sog. Sterolen und wird nur zu 10% aus der Nahrung aufgenommen. Ca. 90% des Cholesterins bildet der Körper in allen Zellen selbst.

Wozu dient Cholesterin?
Für die Stabilität der Zellmembranen, Proteinen (insbesondere in der Muskulatur, im Nerven- und Bindegewebe) sind üppig ausreichende Mengen von Cholesterin unerlässlich. Ohne Cholesterin könnte die Zelle keine Membran bilden und würde „zerfließen“.

Neuere Forschungsergebnisse zeigen die Vielfalt der Abhängigkeiten der Zellfunktionen von Cholesterin. Z. B. binden Zellkernrezeptoren direkt an lipophile Liganden und helfen die Genexpression zu regulieren (PGC-1) (Taylor 2004, Rhodes 2005, Shulman und Mangelsdorf 2005).

Daneben wird aus dem „Rohstoff“ Cholesterin eine große Vielfalt verschiedener wichtiger Boten- und Signalstoffe produziert: U.a. Vitamin D in der Haut unter UV-B-Licht (280-315nm Wellenlänge), alle Steroidhormone (Stress- und Geschlechtshormone).

Der Abbau von Cholesterin findet in der Leber (u. a. über die 7a-Hydroxylase) statt. Die entstehenden Gallensäuren werden über die Gallenflüssigkeit in den Darm abgegeben.

Auswirkungen eines Cholesterinmangels
In vielen Studien findet man Hinweise auf die Gefährlichkeit eines Cholesterinmangels: Erhöhte Raten an Krebs (Pollmer 1996, Cerin 1995), Lungenerkankungen, Unfälle, Konzentrationsstörungen, Depressionen (z. B. Hulley 1992, Gallerani 1995, ...).

Das Vollbild der Symptome sieht man bei Betroffenen des Smith-Lemli-Opitz-Syndroms oder einem Gendefekt im Megalin-Rezeptor (Spoelgen 2005). Hier kommt es durch Störungen des Cholesterinstoffwechsels zu Fehlfunktionen aller Organsysteme bis hin zu Missbildungen des Gehirns (Moebius 1998).

Was passiert im Sport?
Unter Sportbedingungen geraten die Zellen in einen „Hochleistungsstoffwechsel“. Nahezu alle Prozesse laufen in einem höheren „turn over“. Der Bedarf an Cholesterin steigt. Bindegewebe, Muskulatur aber insbesondere das cholesterinreiche Nervengewebe wird stark beansprucht und muss in erhöhtem Maß regeneriert werden. 

Viele Sportler haben einen zu niedrigen Cholesterinspiegel (bei relativ hohem HDL- und niedrigen LDLCholesterinfraktionen). Das wirkt sich nach eigenen Messungen und Beobachtungen im Sport hauptsächlich auf folgende wichtige Bereiche aus:

1. Verdauung
(Mangel an Gallensäuren, mangelnde Fettresorption, niedrige Triglyceride, Veränderung der Darmflora, vermehrte Ammoniak- und Gasbildung im Bauch, Behinderung der Zwerchfellatmung, rel. Sauerstoffmangel, frühere und vermehrte Laktatbildung)

2. Hormone
(Stresshormonmangel, Sexualhormonmangel)

3. Nervenfunktion
(Konzentrationsstörung, Antriebsschwäche, Depressionen, mangelnde Ansteuerungsqualität der Muskulatur, auch der Feinmotorik)

4. Bindegewebe
(Neigung zu Bindegewebsschwäche und Reizungen (Sehnen, Bänder, Faszien)

Alle diese Störungen führen zu einer Minderung der Leistungsfähigkeit und Verlängerung der Regenerationszeiten. Wir sehen erste Tendenzen dahin schon bei Gesamtcholesterinwerten unter 200 mg/dl. Gravierende Beeinträchtigungen sieht man bei Spiegeln unter 170 mg/dl.

Inwieweit der Cholesterinwert eine kausale Rolle spielt, kann allerdings nur beurteilt werden, wenn man die wichtigsten anderen Zellstoffwechseleinflüsse gleichzeitig betrachtet (z. B. Mineral-, Vitamin-, Aminosäuren- und Fettsäureversorgung bzw. deren Metabolismus sowie die Mitochondrienfunktion mit oxidativem und nitrosativem Stresspegel).

Fazit
Bei Sportlern führt ein Mangel an Cholesterin zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit und Verlängerung der Regenerationszeiten. Optimale Leistung kann ein Sportler nur erreichen bei gut ausreichenden Gesamtcholesterinwerten. Möglichst präzise Betrachtung und Einstellung des Zellstoffwechsels sind insbesondere im Hochleistungssport aber auch zur Erhaltung der Gesundheit der Einzelpersonen förderlich. Wünschenswert wären größere Forschungsanstrengungen in diesem Bereich.