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08.05.2019

„Der Spitzensport ist nur ein Abbild der Gesellschaft“

Ein Gespräch über die Dopingaffäre in Seefeld, die fehlende Sportkultur in Österreich und ÖSV-Präsident Schröcksnadel.

Mit sieben Medaillen ist Felix Gottwald der erfolgreichste Sportler der österreichischen Olympia-Geschichte. Vor allem aber ist der frühere Nordische Kombinierer ein kritischer Beobachter des Sportgeschehens. Sportjournalist Christoph Geiler(Kurier) interviewte den 43-Jährigen in Seefeld.

Christoph Geiler: Was haben die aktuellen Dopingvorfälle bei Ihnen ausgelöst?

Felix Gottwald: Wir müssen nicht darüber diskutieren,dass diese Geschichte wieder ein absoluter Tiefschlag für den Langlaufsport ist. Diese so tolle WM steht eben jetzt auch im Zeichen des Dopings, das ist sehr schade. Ich habe auch vollstes Verständnis, dass der Präsident deshalb richtig verärgert ist.

Das klingt nach einem Aber...
Richtig! Aber gleichzeitig ist es für mich jetzt keine Option, ein Pauschalurteil abzugeben, gleich den gesamten Langlaufsport zu verdammen und ihn aus der Welt haben zu wollen. Der Langlauf ist ein gesunder Elementarsport, der viele Menschen begeistert und bewegt. Wenn der ÖSV jetzt für sich wirklich den Langlaufsport abschaffen will, dann braucht sich Österreich nie mehr wieder für eine Nordische WM zu bewerben. Träume von jungen Athleten, die hier in Seefeld gerade entstehen, lösen sich schon wieder auf.

Man kann Ihren Ärger über den Generalverdacht heraushören.
Ich gehe grundsätzlich vom Guten im Menschen aus. Und ich bin auch der Überzeugung: Du kannst mit ehrlichem Training, passendem Umfeld und der richtigen Einstellung im Langlaufsport erfolgreich sein und gewinnen. Ich würde gerne ein anderes Beispiel bringen.

Bitteschön!
Auch im Unternehmertum gibt es Betrüger. Aber würde jemand deshalb gleich die These aufstellen, dass alle erfolgreichen Unternehmen betrügen? Natürlich nicht. Das sollte jedem einleuchten, aber im Langlauf passiert das gerade. Und dagegen verwehre ich mich. Schnellschüsse bringen überhaupt nichts.

Sie sagten, es sei wohltuend, dass der Sport nicht immer als heile Welt dargestellt wird. Wie ist das zu verstehen?
Ich will damit nur sagen, dass es eine große Illusion ist, zu glauben, dass der Sport die Idylle schlechthin ist. Der Spitzensport ist in Wahrheit nur ein Abbild der Gesellschaft: Alles, was wir in der Gesellschaft sehen und erleben, das spielt sich natürlich auch im Spitzensport ab. Du findest dort Betrug, Korruption – und wenn Missbrauch in der Gesellschaft ein Thema ist, dann ist er logischerweise auch im Sport ein Thema und präsent. Warum soll ausgerechnet der Sport davon verschont sein? Den Spitzensport so hinzustellen, als würde es das alles dort nicht geben, entspricht einfach nicht der Realität.

Trotzdem erfolgt immer sofort ein Aufschrei der Empörung, wenn ein Athlet dopt.
Gott sei Dank gibt es im Sport noch klare Regeln. Wer sich nicht daran hält, ist weg und muss mit den Konsequenzen leben. In anderen Bereichen gibt es diese Regeln nämlich nicht, in der Kunst zum Beispiel oder auch im Management. Ganz ehrlich: Ich möchte nicht wissen, was los wäre, wenn man im Managementbereich oder in Silicon Valley einmal Dopingkontrollen einführen würde.

Themenwechsel: Wie verfolgen Sie überhaupt heute das Sportgeschehen?
Auf jeden Fall mit einem guten Abstand. Ich hatte immer schon einen etwas anderen Blickwinkel auf den Sport.

Wie – einen anderen Blickwinkel?
Mich interessieren die Entwicklungen, die im Spitzensport zu beobachten sind. Alles was zwischen den Zeilen der Metapher „schneller, höher, weiter“abzulesen ist. Die Unterscheidung dessen, was wir übertragen bekommen, dessen, was mich tatsächlich inspiriert und leider auch immer wieder dessen, was mich abschreckt. Grundsätzlich versuche ich aber,mir selbst einen fremden Blick zu gönnen. Ich war ohnehin lange genug selbst in dieser Spitzensport-Blase drinnen.

Das vollständige Interview finden Sie in der aktuellen Sportphysiotherapie Heft März 2019!